Trendvernissage #2 – Die Kunst des Teilens

22. November 2012
Natalie Link

TV_Plakat2Wir schreiben den 22. November. Es ist der Tag nach der Trendvernissage. Mein Schädel brummt. Das liegt nicht am Wein. Sicherlich aber an unseren Gästen. Denn das, was da brummt, ist sehr positiv. Ich merke, wie die vielen Impulse des Abends ihre Runde durch meinen Kopf drehen. Sich noch nicht setzen wollen. Alles schreit nach Aktivität. Nach Mitmachen an dem Sharing-Trend, den wir gestern abend beleuchtet haben. Wahrscheinlich liegt das daran, dass ich ein Mensch mit viel Oxytocin im Blut bin, wie Zukunftsdesigner Patrick Mijnals in seinem Sharing-Vortrag erklärt hat. Aber abseits des Vertrauenshormons, das Menschen zum Teilen anregt, liegt das vor allem an den  inspirierenden und passionierten Sharing-Pionieren, die wir an diesem Abend am Tisch versammeln durften.

Mit dabei waren:

Delphine Ménard, eine ebenso resolute wie charmante Verfechterin der Creative Commons Lizenz. Als Wikimedia e.V. Schatzmeistern sorgt sie dafür, dass wir alle von freiem Wissen über Wikipedia & Co profitieren können. Sie hat uns spannende Perspektiven auf das Urheberrecht gegeben. Ein Wort das hält, was es für Nicht-Deutsch-Muttersprachler verspricht: einige Komplikationen.

Michael Aechtler, der mit seinem Bruder Mark die Leihbörse leihdirwas.de gegründet hat, und bis heute von den brüderlichen Programmierkenntnissen profitiert. Denn die machen es möglich, dass Menschen auf leihdirwas.de Gegenstände ganz unkompliziert voneinander borgen können. Vom Darth Vader Kostüm bis zum Beamer, wie Michael uns zeigte.

Michael Hübel von flinc, der uns ganz flink erklärt hat, wie er das Mitfahren für uns alle einfacher macht. Damit wir in Zukunft nicht mehr einsam in unseren Autos herumfahren müssen, sondern über unser Navigationsgerät erfahren können, wie wir leere Sitzplätze füllen. Ein gesprächs- und gewinnbringendes Konzept und ein System mit echtem Peil.

David Brüll, der als Leiter des NODE Festivals digitaler Kunst hier in Frankfurt ein Forum gibt. So auch für uns an diesem Abend, als er mit der Programmiersprache vvvv eine Performance zeigte, die nicht nur Nerds faszinierte. Vor unseren Augen fanden verschiedene Teile zu einer Feedbackschleife zusammen und plötzlich interagierten  Tischlampe, Mikrophon, Kamera und  Kaffeemühle miteinander.

Und last but not least: 55 White Elephants, die unsere Gäste aus den Untiefen der Frankfurter  Schränke und Speicher rausgeholt und bei uns im Regal versammelt haben. Hier wurden Dinge getauscht, die der Mitbringer nicht mehr brauchte und der Neu-Besitzer eventuell auch nicht. Ein großer Spaß.

Wir haben also bei bester Stimmung und leckerem Essen unglaublich viel an diesem Abend geteilt. In seinem Vortrag verweis Patrick Mijnals aber zurecht darauf, dass Generationen vor uns durchaus schon so einiges konsumiert und geteilt haben. Doch nicht nur die 68er werden mit den aufblühenden Senioren-WGs weiterhin Sharing-Impulse setzen und die gute alte Kommunen-Kultur verteidigen.  Das Internet und neue Technologien können unser aller Alltag verändern: Wir können uns heute Kleidung ertauschen, Autos teilen, Produkte mit 3-D-Druckern selbst ausdrucken. Was das für die Wirtschaft heißt? Wie wir in 50 Jahren Profitabilität messen werden? Was genau die Sharing-Economy für uns bedeuten wird? Das bleibt abzuwarten und damit sehr spannend.

So, jetzt ist genug geschrieben. Ich muss mich jetzt erstmal bei leihdirwas.de und flinc.org anmelden. Und mal checken, ob es schon einen Wikipedia-Eintrag zu weißen Elefanten gibt.