trendvernissage #5 – Zeitgeist im Zeichen der fünf

9. November 2016
Fabian Garbe

Fünf spannende Persönlichkeiten haben auf der fünften trendvernissage fünf Trends des Jahres vorgestellt: #MinimalistLife, #IntelligentEverything, #UglyFood, #OptimizedSelf und #CollaborationInc. 80 Gäste aus der Kreativ-, Kommunikations- und Gründerszene im Rhein-Main-Gebiet kamen zum Networking-Event und haben dabei in unserem neuen Loft-Büro auch gleich unseren fünften Agenturgeburtstag mit uns zusammen gefeiert.

#MinimalistLife
„Um glücklich zu sein, braucht man keinen Strom.“ Van Bo Le-Mentzel, Architekt und Initiator der Tiny House University in Berlin, erklärte, wie man das Leben auf das Wesentliche reduzieren kann. Seine Vision vom minimalistischen Leben beschränkt sich nicht nur auf kleine mobile Häuser, die sogenannten Tiny Houses, sondern fordert von uns auch, das Konzept des ewigen Wachstums zu hinterfragen. Brauchen wir wirklich immer mehr Gegenstände, Energie und Terrassenfläche oder wäre es nicht viel sinnvoller und auch nachhaltiger, mehr auf Lebensqualität als auf Quantität zu achten?

trendvernissage5_adellink_van-bo-le-mentzel

#IntelligentEverything
Das Internet of Things beschreibt, wie sich das Internet materialisiert, wie Daten zur zentralen Währung werden und die digitale Vernetzung allgegenwärtig. Carsten Knop, FAZ-Ressortleiter Wirtschaft/Unternehmen und Betreiber des Industrial-Internet-Blogs, sprach bei uns von einem Wandel, der noch viel radikaler sein wird, als wir es erwartet haben. Während er 2003 nach dem Absturz der New Economy von einem Bekannten noch zu hören bekam, „die Sache mit dem Internet ist gelaufen“, werde das Ausmaß der webgetriebenen Veränderungen durch die Vernetzung von Alltagsgegenständen umso drastischer. Leistungsstarke Sensoren und intelligente Maschinen werden viele bestehende Berufe überflüssig machen, für kreative Arbeiten würden Menschen allerdings nach wie vor unersetzlich bleiben (Glück gehabt, dachte sich wohl ein Großteil der anwesenden Gäste). Im Verkehr werden wir die Veränderungen wohl am frühesten sehen, so Knop – wir sind gespannt!

trendvernissage5_adellink_carsten-knop

#UglyFood
Wer sich leidenschaftlich für ein Thema einsetzt, vermittelt häufig eine bestechende Eindringlichkeit. Das merkte man auch bei Anna Schön und Daniel Anthes, die sich gemeinsam mit ihrem Verein ShoutOutLoud e.V. für mehr Nachhaltigkeit engagieren und auf der diesjährigen trendvernissage über die Verschwendung von Lebensmitteln sprachen. Der Begriff Ugly Food bezeichnet Lebensmittel, die zwar optisch nicht der Norm entsprechen, aber ansonsten einwandfrei sind. Krumme Gurken und zweibeinige Möhren wandern viel zu häufig unbeachtet in den Müll, obwohl sie genauso gut schmecken wir ihre makellosen Verwandten. Die Botschaft: „Nachhaltigkeit muss nicht Verzicht bedeuten, sondern soll sexy sein!“

trendvernissage5_adellink_daniel-anthestrendvernissage5adellinkannaschoen

#OptimizedSelf
Inspiriert durch die Arbeit mit Blinden hat Stefan Greiner seine eigene Sinneswahrnehmung in Frage gestellt. Warum gehen Blinde ins Theater, wenn sie die Darstellung gar nicht sehen, sondern nur hören können? Für den Mitgründer der Berliner Initiative Cyborgs e.V. waren solche Überlegungen der Auslöser für einen buchstäblichen Sinneswandel: Er ließ sich einen kleinen Magneten in den Finger implantieren, um elektromagnetische Felder spüren zu können. Seither nimmt er ein Kribbeln im Finger wahr, wenn er sich einer Stromquelle nähert, und weiß zum Beispiel, ob die Warensicherungsanlage im Geschäft überhaupt angeschaltet ist. Und es wird noch besser: Dank selbstgebauter Technik kann er den Magneten auch mit seinem Handy verbinden und hört so den Gesprächspartner über seinen Finger. Zitat des Abends: „Ich hatte meinen Finger schon in vielen fremden Ohren.“

trendvernissage5_adellink_stefan-greiner1

#CollaborationInc.
Einen partizipatorischen Ansatz für seinen Vortrag wählte Zukunftsdesigner Patrick Mijnals: Er bat das Publikum paarweise innerhalb von drei Minuten Ansätze zu entwickeln, wie Kollaboration die Integration Geflüchteter erleichtern kann. Das Konzept der „Cross Innovation“ spielte dabei eine zentrale Rolle: Wie können Lösungen aus einer bestimmten Branche auf eine andere übertragen werden? Wie können durch Kollaborationen vorher ungeahnte Synergien entstehen? Und wie nutzen Unternehmen den interdisziplinären Austausch, um konkurrenzfähig zu bleiben? Nach nur drei Minuten Diskussion war bereits klar: Das Innovationspotenzial der trendvernissage-Gäste war enorm – wir freuen uns schon auf das nächste Jahr!

trendvernissage5_adellink_patrick-mijnals