WTF?! 2017

30. Juni 2017
Marisa Puschmann

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„Unternehmenskommunikation nannte sich früher Zigarettenpause.“

Zum ersten Mal fand das „We Transform Communication Festival“ (kurz und prägnant: WTF) in Berlin statt. Mit dem Ziel, die Veränderungen in der Kommunikationsbranche etwas anders anzugehen und gemeinsam mit Experten und Gleichgesinnten Entwicklungen zu diskutieren und auszuprobieren, startete das Format am 20./21. Juni 2017.

AShruggieusprobieren war auch gleich das Stichwort des ersten Vortrags: „Trial and Error“ sowie mehr Mut zur Ratlosigkeit forderte Dirk von Gehlen (Leiter Social Media und Innovation der Süddeutschen Zeitung) anhand des Shruggies. Dieser schulterzuckende Emoji stand stellvertretend dafür, mehr zu wagen, Neues auszuprobieren und aus Fehlern zu lernen.

Auch wir werden erwachsen

Dirk von Gehlen führte uns am Beispiel des Fidget Spinners und dem dazugehörigen Hate Song von Phil Laude vor, dass auch wir erwachsen werden und die Jugend von heute nicht immer verstehen, denn oft gilt: Was nach dem 30. Geburtstag erfunden wird, kann als Angriff auf die natürliche Ordnung der Dinge empfunden werden. Mit „wir“ waren ich und die anderen rund 250 Teilnehmer gemeint, die alle nicht älter als 35 Jahre waren. Dies war die Altersgrenze, die bei diesem Festival nicht überschritten werden durfte. Schon im Vorfeld sorgte diese Eingrenzung für Diskussionen, doch auch die Veranstalter wollten etwas wagen und den Fokus auf die „jüngere“ Generation legen.

In zwei Tagen ging es in Simulation Games um Storytelling und Digital Collaboration, Hot Seats und Case Studies beschäftigten sich mit „kreativer Kommunikation“ (adidas), „der Macht der Ideen“ (Fischer-Appelt), „Kulturveränderung durch Unternehmenskommunikation“ (Daimler), „dem Spannungsfeld der Gegensätze“ (ABOUT YOU) oder auch mit „erklärungsbedürftigen Themen“ (WWF). Dabei wurde deutlich: der Inhalte steht oft erst an zweiter Stelle, wichtiger ist zunächst, wie dieser verpackt, d.h. nach außen (oder auch innen) kommuniziert wird, denn: Die durchschnittliche Aufmerksamkeitsspanne des Menschen ist seit dem Jahr 2000 von 12 auf 8 Sekunden geschrumpft.

Zum Vergleich: Sogar ein Goldfisch übertrifft uns inzwischen mit seiner Aufmerksamkeitsspanne von 9 Sekunden. Bedeutet: Wir müssen genau wissen, wie man seine Zielgruppe schnell einfängt und die Aufmerksamkeit auf sich und sein Produkt lenkt. Als Kommunikator sollten wir „Experte für Oberflächen sein“ und „Dinge in drei Minuten erzählen können“ (Bernhard Fischer-Appelt). Und: eine Spezialisierung im Laufe der Karriere ist wichtig, sei es auf Projektmanagement, Text, Strategie oder Krise. Auch Mikrofähigkeiten sind nicht zu unterschätzen – wie eigentlich die Video-Konferenz funktioniert und welcher der richtige Adapter für den Beamer ist, sind alltägliche Skills, die wertgeschätzt werden.

Wie sich die Kommunikationsbranche verändert

adidas_WTFEin großes Thema des Festivals: Influencer. Egal ob Social-Media-Star oder der eigene Mitarbeiter, beide haben ihre Vor- und Nachteile für die Unternehmenskommunikation. Sascha Pallenberg, seit Anfang 2017 Head of Digital Content bei Daimler, hinterfragte wie nachhaltig die Zusammenarbeit mit Social-Media-Influencern ist und ob Mitarbeiter nicht die besseren Brand Ambassador sind – bei einem internationalen Konzern wie Daimler steht natürlich auch eine große Auswahl an potenziellen Influencern zur Verfügung. Auch Wendelin Hübner von adidas sprach darüber, wie wichtig Influencer für eine Marke sein können und wie spannend es sein kann, sie selbst aufzubauen: Mit einem 360-Grad-Programm unterstützte adidas junge Fußballer in Berlin, die nicht nur in ihren Social-Media-Skills geschult wurden, sondern beispielsweise auch einen Steuerberater zur Seite gestellt bekamen, denn: „Reichweite ist auch ein Investment.“

Dabei blieb auch Zeit zum Netzwerken: Unter dem Titel „Me, Myself & I“ wurden Tipps zum „richtigen“ Networking gegeben und in Rollenspielen direkt getestet – vor allem für jüngere Menschen oft ein noch schwieriges Thema. Ich hatte das Gefühl, dass durch das ähnliche Alter aller Teilnehmer die Gespräche persönlicher und einfacher waren. Die coole Location (Kulturbrauerei, Prenzlauer Berg, Berlin) und das tolle Wetter trugen ebenfalls zu einer entspannten und interaktiven Stimmung bei. Und so war das erste „We Transform Communication Festival“ eine interessante Mischung aus klassischen Vorträgen, interaktiven Games sowie spannenden Einblicken in die Kommunikation von Unternehmen und wie sie sich Veränderungen durch Digitalisierung, Social Media und Co. konkret stellen.