Zwischen Instagram und Laktoseintoleranz – Trend: Food is the new Pop

20. Juli 2017
Annika Weertz

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Der Mensch hat seine Routinen – auch ich. Ich stehe morgens auf und bereite Porridge und Kaffee zu. Manchmal genieße ich beides mit Milch, manchmal lasse ich die Flocken in heißer Hafermilch aufquellen. Aber eben auch nur manchmal. Ich habe die Wahl. Bisher leide ich weder an Gluten- noch an Laktoseintoleranz und habe keine Lebensmittel tierischen Ursprungs vom Speiseplan gestrichen. Ich kann alles essen, was ich will. Ich verbiete mir nichts. Aber ich probiere gern aus. Auf Instagram sehe ich Smoothie Bowls von selbst ernannten Foodies, vegane Chia-Pudding-Variationen und glutenfreie Burger mit Sweet Potatoe Fries. Die Inspirationen dafür, mein Essen zu optimieren, scheinen unendlich.

Essen ist heute weder reiner Genuss noch banale Notwendigkeit. Es ist ein klares Lifestyle-Statement. Und diese Art von Bekundung bringt einen oftmals in die Lage, Dinner-Partys genauer zu organisieren – vor allem dann, wenn jeder Gast eine Kleinigkeit mitbringen soll. Beispielsweise ist dann die Sorge groß, ob alle veganen Gäste genügend Auswahlmöglichkeiten unter den mitgebrachten Leckereien vorfinden werden – insbesondere wenn der Gastgeber meint, dass der geplante Kuchen in der nicht-veganen Variante einfach am besten schmeckt und diesbezüglich keine Abstriche machen möchte. Der bewusste Verzicht geht oft auch mit dem Streben nach einem gesunden Lebensstil einher. Die Beschäftigung mit der Ernährung nimmt viel Zeit in Anspruch, das gesunde Essen wird zelebriert, fotografiert und geteilt – vor allem im sozialen Netzwerk. Und so inspiriert sich eine ganze Community gegenseitig zum besseren, gesunden Ich. Mein Pinterest-Feed suggeriert mir, dass alles miteinander vereinbar ist, jedes Dessert in der Paleo-Version noch besser schmecken kann und gibt mir Tipps, wie ich meinen Alltag ohne Kohlenhydrate bestreiten kann, die den Körper angeblich ja nur mit unnötiger Energie überschwemmen. Abends Lust auf Pasta, aber keine Lust auf Schuldgefühle und einen schweren Magen? Kein Problem. Man nehme zwei Zucchini und jage sie durch den Spiralizer, der aus Zucchini so viel mehr macht als ein Küchenmesser. Das kann ich natürlich ausprobieren, muss ich aber nicht. Denn die Möglichkeiten, meinen Körper gesund zu halten, sind so vielfältig geworden, dass ich von allen Ernährungsweisen diejenigen rauspicken kann, die am besten zu mir passen.

Bei meiner letzten Suche auf Instagram und Co bin ich auf den Trend Overnight Oats gestoßen. Das Prinzip: Haferflocken werden über Nacht eingeweicht und morgens durch Obst und Gewürze ergänzt. Ich stelle fest, dass meine Haferflocken nicht glutenfrei sind, ich keine Mandelmilch eingekauft habe und auch nur Leinsamen statt Chiasamen vorrätig sind. Ich seufze und bereite meine eigene Variante zu – mit Laktose und Gluten. Jeder Foodie würde wohl mit den Augen rollen und mir sagen, dass das ganz und gar nicht gesund ist. Dass mich die Flocken aufblähen, ich den Milchzucker nur schwer verdauen kann und das Superfood im Frühstück fehlt. Und trotzdem – es schmeckt. Vielleicht kaufe ich nächste Woche Mandelmilch. Vielleicht auch nicht. Denn schließlich habe ich die Wahl.