Aus „Müll“ wird „Neu“ – Trend: Fair Life Statement

29. August 2017
Linda Benkner

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Ist das Müll oder kann das bleiben?

Ob Thermobecher aus Bambus, biologisch abbaubare Aufbewahrungsboxen oder das ethisch korrekte Fairphone – die Angebotspalette an fairen Produkten ist vielfältiger denn je. Fair ist zum Verkaufsargument geworden: Immerhin 69 Prozent der Deutschen wollen laut dem Zukunftsinstitut wissen, woher ihre Produkte stammen. Diesen Trend greifen auch Seiten wie slaveryfootprint.org auf. In elf Schritten erfährt man hier, unter welchen Bedingungen beispielsweise Shampoo, Schokolade und Sportgeräte entstehen. Ist der interaktive Fragebogen komplett ausgefüllt, folgt eine Berechnung, wie viele Sklaven weltweit an der Produktion unserer Möbel, Elektrogeräte und Textilien beteiligt waren. Mit diesem Wissen können wir bewusst wählen, ob wir gerecht produzierte Waren kaufen wollen. Allerdings ist es gar nicht so einfach, bei unzähligen Siegeln, Logos und Etiketten den Überblick zu behalten. Woher sollen wir wissen, was wirklich fair produziert ist? Auch dafür ist unsere Multiple-Choice-Society bestens gerüstet, zum Beispiel mit Apps wie dem „Nachhaltigen Warenkorb“ vom Rat für Nachhaltige Entwicklung. Neben Infos zu Logos sowie Faustregeln für den Kauf von Textilien wird hier gezeigt, wie faires Reisen, nachhaltiges Wohnen und Bauen sowie die verantwortungsvolle Geldanlage gelingen.

Laut dem Zukunftsinstitut sind knapp 82 % der deutschen Verbraucher bereit, mehr Geld für fair gehandelte Angebote zu zahlen. Unter den Käufern von Fair-Trade-Produkten liegt die Aufpreisbereitschaft sogar bei fast 94 %.

Nicht nur der Kauf neuer Produkte, auch deren Entsorgung nach Gebrauch beschäftigt die breite Masse der Menschen zunehmend. Allmählich entsteht ein Verantwortungsgefühl für fast sieben Millionen Tonnen Plastikmüll, die jedes Jahr in unsere Meere gelangen – laut der Umweltorganisation WWF in jedem Quadratkilometer bis zu 46 000 Plastikteile. Selbst im konventionellen Handel findet ein Umdenken statt: 2016 schafften 260 deutsche Unternehmen die kostenlose Plastiktüte ab, andere nahmen sie ganz aus dem Sortiment. Der Anstieg von Recyclingunternehmen und DIY-Trends wie Upcycling zeigen überdies: Müll ist zur Definitionssache geworden. Wir entscheiden, was in der Tonne landet. Institutionen wie das Cradle to Cradle products Innovation Institute setzen sich gezielt dafür ein, Produkte aus Ausgangsmaterialien herzustellen, die nach Gebrauch nicht als Abfallprodukte entsorgt werden müssen, sondern als Ressource für Neues wiederverwendet werden können. Geforscht wird außerdem an Verpackungsmaterialien aus Pilzen, Fischschuppen und Gras.

Während in Deutschland gerade erst Unverpackt-Läden mit Sortiment zum Selbstabfüllen und Repair-Cafés eröffnen, in denen handwerklich begabte Mitarbeiter und Besucher zwischen Kaffee und Kuchen gemeinsam schrauben und werkeln, haben die Schweden bereits eine Steuersenkung auf Reparaturleistungen angekündigt (von 25 auf 12 Prozent). Ein Zeichen gegen die Wegwerfkultur zu setzen war nie einfacher.