Trend #ecopolis: 5 Visionen für die Stadt der Zukunft

8. Juni 2018
Linda Benkner

Copyright: Brodie Vissers / StockSnap

Frankfurt hat nicht nur die höchste Dichte an Hochhäusern in Deutschland zu bieten – gerade die vielen grünen Flecken machen die Mainmetropole zu unserer Agenturheimat. Beeindruckende 75 Kilometer Wiesen, Äcker und Wälder umfasst der Frankfurter Grüngürtel rund um die Stadt. Vielleicht fällt es uns gerade deswegen nicht schwer, uns mit #ecopolis die Stadt der Zukunft als eine pflanzenreiche Energiequelle vorzustellen.

Global gesehen bedecken Metropolen und Megacitys gerade einmal zwei Prozent der Erdoberfläche, doch sie verbrauchen 75 Prozent der weltweit benötigten Energie und verursachen 85 Prozent aller Treibhausgasemissionen. Zukünftig werden sie noch mehr Energie benötigen, denn Prognosen zufolge sollen in 30 Jahren rund zwei Drittel der Weltbevölkerung in Städten leben (derzeit ist es die Hälfte). Um sowohl Lebensqualität als auch Energieeffizienz zu bieten, sind viele Städte derzeit dabei, sich neu zu erfinden. Auch die Stadtbewohner werden Teil der Ecopolis sein – hier zählt Kollaboration für den wirtschaftlichen und ökologischen Erfolg.

Wir haben uns gefragt, wie die Stadt der Zukunft als ökologische Metropole aussehen könnte, in der die Menschen eine gute Lebensgrundlage finden – unsere Top-5-Ideen:

1. Spaziergang auf Hochhausdächern

Ja, es wird immer kuscheliger in den Städten und so mancher Neubau will hoch hinaus. Warum nutzen wir nicht die Dachflächen für Gärten und Parks mit atemberaubendem Ausblick? Beispiele für Landscape Urbanism gibt es jetzt schon. Etwa die New Yorker High Line, gebaut auf einer stillgelegten Hochbahn, die jahrzehntelang brach lag. Inzwischen ziert sie ein öffentlicher Park in den Höhen der Westseite von Manhattan. Das ist nicht nur schön anzusehen, die Pflanzen kühlen auch an heißen Tagen und schonen die Kanalisation nach starken Regenfällen. Top-Ausflugsziel ist übrigens das Marina Bay Sands mit dem welthöchsten Dachgarten auf 191 Metern Höhe, direkt am Singapore River gelegen – nicht verpassen beim nächsten Ausflug nach Asien! Nicht ganz so hoch ragen die Frankfurter Dachgärten – wenn es nach uns ginge, dürften die gern noch viel viel grüner werden!

2. Endlich wieder durchatmen!

Ohne Moos nichts los in der Stadt – wenn es um saubere Luft geht! Wäre das schön, wenn wir nicht mehr auf autofreie Inseln fahren müssten, um unsere Lungen zu verwöhnen. Bereits jetzt gibt es Projekte mit Mooswänden in der Stadt, um die Luft zu reinigen. Bei einem Pilotprojekt in Stuttgart soll so das Feinstaubproblem gelöst werden. Was derzeit noch nicht ganz ausgereift ist, könnte in Zukunft dabei helfen, rund 73. 000 vorzeitigen Todesfällen im Jahr durch Luftverschmutzung in Deutschland vorzubeugen. Eine andere Idee kommt aus Paris: Hier werden bei dem Projekt Milles Arbres 1.000 Bäume in einen Gebäudekomplex integriert. Der Neubau spart durch Einsatz von Sonnen-, Wind- und Geothermie nicht nur Energie, die Bäume verbessern auch die Luftqualität, die Regulierung der Umgebungstemperatur und das Wohlbefinden der Bewohner. Wir freuen uns darauf, wenn Häuser zu Gebilden mit Bäumen werden – oder vielleicht auch Bäume zu Häusern?

3. Das Power-Haus der Zukunftsstadt

Windkrafträder auf Hochhäusern? In Berlin ist das schon Realität: Das Windrail an der Dachkante eines Hochhauses erzeugt Strom aus Wind, gleichzeitig kühlt die durchströmende Luft die Solarpaneele an der Rückseite. Das erhöht wiederum die Effizienz beim Gewinn der Solarenergie. Die Wind-Sonnenstrom-Kombination ist geräuscharm und lässt sich online steuern. Bei uns in Frankfurt gibt es ein weiteres Beispiel, das Aktiv-Plus-Haus. Es versorgt nicht nur die 74 Wohnungen mit Energie aus 1.330 Sonnenkollektoren und mit Wärme der umliegenden Abwasserkanäle, sondern die Bewohner können auch Elektroautos eines Carsharing-Projekts mit dem Strom auftanken. Wir gehen davon aus, dass Technologien zur Energiegewinnung mehr und mehr ins Stadtbild einziehen und in den Alltag integriert werden. Eigenheime werden zu kleinen Kraftwerken umgebaut und Smart Grids, also intelligente Stromnetze, liefern die Energie genau dahin, wo sie gebraucht wird.

4. Neues Straßenbild dank neuer Verkehrswege

Auf der Fahrradautobahn zum Arbeitsplatz – da wäre das tägliche Sportpensum doch schnell erreicht! Als Kollegin aus Darmstadt freue ich mich besonders, dass neben dem Elektro-Highway für Lastwagen noch in diesem Jahr der Bau des Radschnellwegs nach Frankfurt beginnen soll. Aber nicht nur außerhalb der Stadt verlangen die Fahrradfahrer bessere Wege – auch in den Städten müssen bitte bessere Lösungen her. Sehr sympathisch ist uns London: Hier entstehen Fahrrad-Highways mitten im Stadtzentrum. Eine weitere Idee ist die London Underline: Ein stillgelegter U-Bahn-Tunnel könnte von Zweirädern genutzt werden. Regenwetter oder Hitzewelle können hier keine Ausrede mehr sein! Sogar für den Möbeltransport können Fahrräder herhalten: In Hamburg-Altona kann man sich jetzt schon einen E-Cargo-Trailer im IKEA Einrichtungshaus ausleihen – dank Elektromotor macht sich das Gewicht dann kaum bemerkbar.

5. Kühe auf dem Wasser

Schwimmende Agrarwirtschaft – das hört sich sogar für uns ganz schön abenteuerlich an. In Rotterdam startet noch in diesem Jahr das Floating Farm Projekt. Um die wachsende Stadtbevölkerung mit regionalen Produkten zu versorgen, werden Höfe aufs Wasser verlegt. Die schwimmende Molkerei soll aus zwei Ebene bestehen und der Strom dafür aus Solarzellen und Stallmist erzeugt werden. Die Tiere werden zwar nicht unter freiem Himmel grasen, immerhin haben sie einen weiten Blick durch die Glasfassaden. Trotzdem stellt sich für uns die Frage, wie viel Platz und Auslauf die Kühe haben werden. Es bleibt zu hoffen, dass Kühe auf die Dauer nicht seekrank werden.