Trend #smartdelivery: Wie schnell ist schnell genug?

26. Juli 2018
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10 Millionen Sendungen am Tag. So viele Pakete wollen allein in Deutschland in die Hände ungeduldiger Besitzer gelangen. Aber was, wenn dieser gerade nicht zu Hause ist? Oder die Klingel unter der Dusche nicht hört? Ein neuer Zustellversuch sorgt für verstopfte Straßen und verstimmte Paketboten. Zwischenlagerung in der nächstgelegenen Abholstation? Mit zusätzlichem Aufwand verbunden. Eine neue, bessere Lösung muss her. Es droht der Paketinfarkt, das haben Logistikkonzerne längst erkannt. Sie bereiten sich auf die unterschiedlichsten Zukunftsszenarien vor.

Der Traum des Ikarus

Wie wäre es zum Beispiel mit der fliegenden Paketdrohne? Im Himmel über uns ist sicherlich genug Platz, um eine ganze Menge Pakete in die Gärten der Besitzer zu liefern. Oder warum nicht gleich durchs offene Fenster direkt in die Wohnung? Dann aber besser nicht im Erdgeschoss wohnen, Diebe hätten hier wahrscheinlich leichte Beute. Laufen wir Gefahr, von herabfallenden Paketen erschlagen zu werden? Unwahrscheinlich, argumentieren die einen. Schaut nach Russland, sagen die anderen. Dort ist im April eine Paketdrohne abgestürzt – nach 100 Metern Flug. Grund dafür waren wohl die WLAN-Netze der umliegenden Häuser. Das ist in Deutschland sicherlich kein Problem: Bei dem langsamen Internet in der Bundesrepublik wird die Drohne bestimmt nicht durch zu starke Netze gestört.

Quelle: DHL

Der Schlüssel zum Glück

Eine weitere Alternative präsentiert Amazon, sicherlich einer der Hauptverantwortlichen für die Paketflut der letzten Jahre. Mit Amazon Key soll Paketboten bald der Eintritt in registrierte Haustüren gewährt werden – natürlich überwacht von einer Kamera. Laut Unternehmensvorschrift sollen sie die Tür nur einen Spalt weit öffnen, um das Paket abzulegen. Und danach? Abschließen nicht vergessen. Das Ziel: Nie wieder ein verpasstes Paket. Eine super Idee? Die Befragten unserer #trendumfrage 2018 sehen das anders: 83 Prozent der Umfrageteilnehmer lehnen es ab, dem Paketzusteller einen Haustürschlüssel zu geben. Auf kurze Sicht wird die Sendung wohl weiterhin zur Abholung in der Filiale bereitliegen.

Dem Deutschen liebstes Kind

Wer den Paketboten nicht in die eigenen vier Wände lassen will, könnte ihn doch zumindest in sein Auto lassen. Genauer gesagt in den Kofferraum. Zusammen mit Volkswagen testet DHL diese bequeme Liefermethode bereits. Die Technik funktioniert dabei ähnlich wie bei Car-Sharing-Angeboten. Ist das Zukunftsmusik? Hier in der Agentur setzen die allermeisten Kollegen auf öffentliche Verkehrsmittel oder das Fahrrad. Ein eigenes Auto ist somit oft überflüssig. Besonders in Städten ist dies öfter der Fall, auf dem Land wird das Auto da noch eher gebraucht. Aber eines steht fest: Die Lieferung in jedermanns Kofferraum ist wohl nicht der Heilsbringer, allemal eine geringfügige Entlastung.

Hallo, I bims, der PostBot!

Aber hat eigentlich schon mal jemand an die Postboten gedacht? Häufig denken wir nur daran, wie wir die bestellte Ware am bequemsten erhalten. Was ist mit den Paketboten, die die schwere Last für uns transportieren? Manchen von uns schmerzt schon im Büroalltag der Rücken. Immerhin die Post hat eine Lösung für die eigene Belegschaft. Mit dem „PostBot“ hat sie einen Lastenschlepper entwickelt, der dem Paketboten wie ein braver Hund auf Schritt und Tritt folgt. Ob das Unternehmen dabei von unserem Trendsticker inspiriert wurde?

Quelle: DHL

Zukunftsmusik: Erst einmal nur leise Töne

Alle Varianten haben eins gemeinsam: Sie beruhen auf Prototypen, befinden sich in der Testphase und sind noch nicht reif dafür, 10 Millionen Pakete täglich zu transportieren. Obwohl wir Fortschritte machen, gibt es noch keinen Durchbruch, der Straßen, Städte, Umwelt und vor allem die zahlreichen Paketboten entlastet. Aber manchmal kommt der Umbruch schneller als man denkt. Apropos, hat eigentlich jemand schon was von Elon Musk dazu gehört?

Autor: Daniel Mainka