Trend #DigiLove: Lasst uns über Liebe reden!

25. September 2018
Alisa Schmitz

Die Liebe. Sie ist so ein Phänomen, das uns von Tag eins unseres Lebens an begleitet. Für viele ist sie eine Art Urinstinkt, etwas Intimes, Persönliches und nur schwer in Worte zu fassen. Nicht vorstellbar also, dieses Gefühl, ja diese Ausdrucksweise in Daten zu packen oder sie gar zu programmieren – oder? Mit unserem Trend #DigiLove wollen wir euch einen Einblick in die Zukunft der Liebe geben und zeigen, wie viel Programmierung in der Liebe heute schon möglich ist.

Denn die digitale Liebe ist auf dem Vormarsch. Nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, dass es bereits Menschen gibt, die Objekte lieben und sogar heiraten. So wie beispielsweise eine 37-Jährige Amerikanerin: Sie trägt seit 2007 den Nachnamen Eiffel, weil sie mit dem berühmten Wahrzeichen Paris „vor den Traualtar“ schritt. Wieso also nicht Schmetterlinge im Bauch bekommen, sobald sich die künstliche Intelligenz zu Wort meldet?

Wenn Daten lieben lernen

Das hat sich zumindest das Projekt Loving AI zur Aufgabe gemacht. Das Ziel: eine AI, also künstliche Intelligenz schaffen, die bedingungslos lieben kann. Entstanden ist Sophie, ein Transhumanroboter, der aussieht wie eine Frau und sich auch so verhält. Sophie kann Gesichtszüge und Mimik erkennen und interpretieren, weil sie mit entsprechenden Daten gefüttert wurde. In einem Test, in dem Sophie als Therapeutin agierte, reagierten die Testpersonen positiv. Denn der Vorteil einer künstlichen Intelligenz ist ihre Unvoreingenommenheit: Sie hat keinen Erfahrungsschatz, auf den sie zurückgreifen kann, was ihr vollkommene Neutralität ermöglicht. Die Testpersonen hatten weniger Angst davor, für ihre Gefühle be- oder sogar verurteilt zu werden.

Für Philosophin Tanja Noemi Tömmel ist die digitale Liebe allerdings nur Illusion. In einem Gespräch mit dem Radiosender Deutschlandfunk Kultur erklärt sie den unüberwindbaren Unterschied der Menschlichkeit: Sophia gehe zwar auf uns und unsere Gefühle ein, wisse aber nicht, dass sie es tue. Das Stichwort Bewusstsein sei hier entscheidend. Wer kein Bewusstsein habe, könne keine Liebe empfinden und sie so auch nicht weitergeben.

Let’s talk about …

Neben Gefühlen geht es in der Liebe aber bekanntlich auch um Körperlichkeit. Laut einer Studie des britischen Sexshops Bondara wird es 2035 die ersten Escort Bots geben, 2050 haben dann mehr Menschen Sex mit einer Maschine als mit dem gleichen oder anderen Geschlecht. Möglich ist das schon heute: Seit 2014 gibt es in Dortmund ein Bordell, in dem es ausschließlich Sexpuppen aus medizinischem Silikon gibt. Eine halbe Stunde Liebe kostet hier 50 Euro – Tabus oder Ausnahmen gibt es keine.

Wie viele Menschen so ein Angebot wahrnehmen würden, hat die Marketing-Agentur SYZYGY in einer Studie abgefragt: Während in der Babyboomer-Generation nur knapp 27 Prozent zu einer Nacht mit einem Sexroboter bereit wären, steigt das Interesse unter den Millennials schon auf fast 39 Prozent.

Eine Frage der Ethik

Es gibt viele Beispiele, wie Technik bereits Einzug in die Welt der Liebe erhält: Neben Sextoys und Haptic Suits gibt es Apps, die deinen besten Freund ersetzen. Sobald aber Technik und digitale Entwicklungen dabei sind, den Menschen an sich zu ersetzen, stellt sich immer auch die Frage nach den moralischen Aspekten: Was nutzt es uns, die Liebe zu digitalisieren und welchen Mehrwert hat diese Entwicklung für unsere Gesellschaft? Denn die Frage ist doch: Schaffen wir mit Projekten wie Sophia neue Chancen für die Liebe – oder schaffen wir so die Liebe, wie wir sie kennen, ab?