TREND #SPACELIVING: VON MONDBÜRGERN UND NACHHALTIGER WELTRAUMBESIEDLUNG

26. November 2018
Linda Benkner

In 4 Jahren soll das erste Space-Hotel eröffnen, 200 Kilometer über der Erdoberfläche. Kostenpunkt: 7,7 Millionen Euro für eine 12-tägige Reise sowie 3-monatiges Training. Und das ist erst der Anfang: Habt ihr euch auch schon einmal gefragt, ob ein Leben auf dem Mond möglich wäre und was ihr da alles unternehmen könntet? Wir stellen euch hier ein spannendes Buch vor, in dem es genau darum geht – um „Die Besiedlung des Monds“.

Der Autor, Dr. Florian Nebel, ist Kernphysiker und Autor aus München. Er arbeitet als Systemingenieur in der Luft- und Raumfahrtbranche. Auf das Thema gebracht haben ihn die Verschwörungstheorien rund um die angebliche „Fake News“-Mondlandung. Wissenschaftlich fundiert und spannend wie in einer Science-Fiction-Utopie zeigt er, inwiefern eine Mondreise technisch möglich ist und eine Besiedlung sogar finanziell attraktiv werden könnte.

DER MOND ALS WELTRAUMBAHNHOF UND ZWISCHENSTATION ZUM MARS

Warum sollten wir den Mond besiedeln? Diese Frage stellte Florian dem Publikum auf unserer #trendvernissage6. Die Antworten: Um Platz auf der Erde oder einen alternativen Lebensraum bei Naturkatastrophen zu schaffen, als Zwischenstation für weitere Weltraumreisen, aus unserem Pioniergeist heraus oder auch, weil wir dort eine völlig neue und nachhaltigere Welt und Lebensweise erschaffen können.

Warum wir den Mond besiedeln sollten? Weil wir von Natur aus Eroberer sind!

Diese und weitere Ideen finden sich auch in Florians Buch. Etwa wissenschaftliche Erkenntnisse aus den naturgegebenen Bedingungen auf dem Mond (wie ein Teilchenbeschleuniger im Vakuum, ein Teleskop in vollkommener Dunkelheit und Experimente ohne Magnetfelder). Ein weiterer Nebeneffekt der Weltraumerforschung sind Spin-off-Erfindungen: Den Space-Zentren haben wir gefriergetrocknete Früchte, Innovationen für feuerfeste Hitzeschutzbekleidung und zahlreiche Fitnessgeräte zu verdanken. Für den Mars könnten wir hier beispielsweise Erfahrungen mit extraterrestrischer Landwirtschaft und neuen Verfahren zur Sauerstoffproduktion sammeln. Und schließlich sind Weltraumreisen vom Mond aus attraktiv: Der Start ist dank weniger Anziehungskraft und fehlender Luftreibung energieärmer als von der Erde aus.

FLY ME TO THE MOON …

In Florians Vision lässt sich nicht nur das Leben auf dem Mond nachhaltig gestalten, sondern auch der Weg dorthin. Deshalb kann bereits vorhandene Technik genutzt werden. Wenn wir auf internationale Zusammenarbeit setzen und es nicht zu einem Wettlauf kommen lassen, können wir auch Kosten sparen. Von der Mond-AG über Crowdfunding und Sponsoring bis hin zu Seedfunding: Florian hat zahlreiche Ideen für die Finanzierung eines Besiedlungsprogramms. Wieso nicht eine Steuer auf Tabak und Alkohol aufschlagen? Schon 17 Cent pro Zigarettenpackung würden eine Grundlage dafür schaffen.

FREIZEITAKTIVITÄTEN UND BERUFSPROFILE DER MONDBÜRGER

Wie wäre es mit Mondgolf, Mondbergsteigen, Mondautofahren oder einem Erholungsurlaub bei weniger Anziehung? Selbst Realityshows oder eine Steueroase kann sich der Autor für die Mondsiedlung vorstellen. Hauptsächlich aber könnte der Bergbau für Ressourcen wie Titan und Aluminium und der Raumschiffbau mit wenig Schwerkraft und vorrangig aus den Materialien vor Ort im Fokus stehen. Das Ziel sollte sein, einen unabhängigen Produzenten mit eigenem Handel und Export aufzubauen und somit den Mondsiedlern Profit zu ermöglichen.

Als Mondbürger eignen sich Menschen mit Pioniergeist, die stark, leidensfähig und risikobereit sind. Gute Berufsaussichten winken Bergleuten und Handwerkern, Geologen als Architekten, Kraftwerksingenieuren, Medizinern für die Versorgung und Forschung, Astronauten für Elektrik und Experimente sowie Designer, vorzugsweise mit Erfahrungen als Steinmetze, um die Ausstattung der Siedlung aus Mondmaterial zu formen.

Für den Alltag auf dem Mond werden in „Die Besiedlung des Mondes“ zahlreiche Ansätze für Strahlenschutz und die Wasserversorgung vor Ort beschrieben. Daneben findet sich auch eine Checkliste, was wir importieren müssten (an Pflanzen, Werkzeugen und Ressourcen). Auch Tiere könnten eingeflogen werden, zum Beispiel Hühner in Form von befruchteten Eiern. Inspiriert von der #trendvernissage6 kam bei mir die Frage auf, ob nicht auch die Einführung von Insekten eine Option zur Nahrungsversorgung wären – es müsste jedoch sichergestellt werden, dass die Insektenvermehrung kontrolliert abläuft, sonst könnte das große Krabbeln für die Siedler lästig werden, gab Florian augenzwinkernd zu bedenken.

MONDAUSFLUG FÜR LAIEN

Meine Begeisterung für Science Fiction – ob Serien („The Expanse“), Filme („Interstellar“) oder Bücher (H.G. Wells, Philip K. Dick) – ist groß, aber sobald es um Physik geht, ist mein Interesse gewöhnlich schnell verflogen. Die „Besiedlung des Mondes“ hat jedoch mit trockener oder komplizierter Lektüre nichts gemein: Stets verständlich, in flüssigem Stil und mit einer Prise Humor geschrieben, bietet das Buch einen unterhaltsamen Einstieg in das Thema Mondbesiedlung. Die Herausforderungen einer solchen Mission werden nicht unterschlagen, doch #spaceliving ist weit weniger Fiction als gedacht! Florian schreibt übrigens schon am nächsten Buch: Darin trägt er sein Wissen und seine Ansätze zum Thema Marsbesiedlung zusammen. Wir freuen uns schon darauf!

Dr. Florian Nebel: Die Besiedlung des Mondes.
Technisch machbar. Finanziell profitabel. Logisch sinnvoll.
259 Seiten, Landwirtschaftsverlag, Münster-Hiltrup 2017.