Abstraktes 3D-Titelbild zum Trend Brave New Work: eine violette Glaskugel und ein kristalliner Vielflächner vor schwarzem Hintergrund, gestaltet vom agenturinternen Designteam Hive Studios für die Trends 2026 der Agentur Adel & Link.

Brave New Work: Wie sieht die Zukunft der Arbeit aus?

Wir diskutieren viel über Krankheitstage, KI-Tools und Kompetenzen. Dabei vergessen wir manchmal, über das große Ganze zu sprechen: die Zukunft der Arbeit. Unser Trend Brave New Work regt dazu an, sich mutige Fragen zu stellen und neue Antworten zu finden.

 

Sechs Tage pro Woche, zwölf Stunden täglich: Mit der Arbeitswelt aus den 1950er-Jahren können heute die wenigsten etwas anfangen. Auf der Checkliste für einen guten Job stehen eher psychische und physische Gesundheit, Gehalt, Flexibilität und Sinnerfüllung. Doch über unseren New-Work-Errungenschaften stapeln sich immer mehr Unwägbarkeiten.

Eine andauernde Wirtschaftsflaute, Multikrisen und mehr als drei Millionen Arbeitslose in Deutschland lassen viele sorgenvoll in die Zukunft blicken. Laut McKinsey werden sich durch KI und Automatisierung allein in Europa bis zu zwölf Millionen Menschen künftig beruflich umorientieren müssen. Die Studienlage zu positiven wie negativen Auswirkungen von künstlicher Intelligenz ist nach wie vor undurchschaubar. Doch eine Sache ist klar: So wie wir das Arbeitsleben heute kennen, wird es nicht bleiben.

Indem wir uns mit zukunftsorientierten Themen auseinandersetzen, unsere Kompetenzen ausbauen und neue Fähigkeiten entwickeln, können wir uns darauf vorbereiten. Doch das allein reicht nicht: Wir sollten auch darüber sprechen, welche Rolle wir Menschen in dieser Umbruchphase übernehmen.

 

Für Brave New Work braucht es eine Vision

Anthropic-CEO Dario Amodei ist als besonders kritische Stimme der KI-Welt bekannt. Seit Jahren warnt er vor sozialen, politischen und gesellschaftlichen Risiken künstlicher Intelligenz. In seinem jüngsten Essay „The Adolescence of Technology“ untermauert er seine Prognose, dass KI innerhalb der nächsten fünf Jahre die Hälfte aller Einstiegs-Bürojobs verdrängen wird. Er fordert, dass Menschen, Unternehmen und Politik diese Phase – in der KI immer mehr können und übernehmen wird – gemeinsam und so moralisch und menschfreundlich wie möglich gestalten.

Eine weibliche Person hält ein aufgeschlagenes Buch vor ihr Gesicht, sodass es ihr Gesicht bedeckt – Seitansicht, fotografiert vor einer Backsteinwand.

Gesellschaft, Politik, Unternehmen und Individuen müssen sich also mit existenziellen Fragen auseinandersetzen. Nicht: Wo soll das alles hinführen? Sondern: Wo wollen wir hin? Aktuell ist der öffentliche Diskurs viel zu rückwärtsgewandt. Dass wir 2026 flexible Arbeitszeitmodelle und die Anzahl von Krankheitstagen verteidigen müssen, ist das beste Beispiel.

Die Energie, die wir in Empörung und Erklärungen stecken, wäre woanders deutlich besser aufgehoben. Während populistische Stimmen nach unten treten, müssen wir anderen unseren Blick nach vorne richten: Wir brauchen eine Vision.

 

Ist weniger Erwerbsarbeit weniger wert?

In Post-Work-Konzepten steht die Idee im Zentrum, dass technische Produktivität durch künstliche Intelligenz so hoch werden wird, dass Erwerbsarbeit eher eine Option als eine Pflicht sein wird. Dieser Ansatz sieht KI als Chance, monotone oder belastende Erwerbsarbeit zu reduzieren, sodass Menschen mehr Zeit für Kreativität, Beziehungen, Bildung und Gesellschaft haben.

Klingt wie das typische KI-Framing, das uns derzeit überall begegnet. Eigentlich schade – denn mit radikaler Zuversicht betrachtet, schwingt ein mächtiger Gedanke mit: Mit weniger Erwerbsarbeit ist unser Leben nicht automatisch weniger wert. Es bedeutet auch nicht weniger Arbeit, im Gegenteil. Für Demokratie, Frieden, Care, Gesundheit, Wohlstand und Gemeinwohl werden wir in den nächsten Jahrzehnten deutlich mehr Engagement, Zeit und Geld brauchen als bisher. Ressourcen, die wir in Zukunft aus automatisierten Wertschöpfungsketten abzweigen und neuem Wert zuführen könnten. Vorausgesetzt, wir stellen die Weichen dafür.

Wir brauchen Szenarien, in denen Phasen von Erwerbsarbeit, Bildung, gesellschaftlichem Engagement, Care-Arbeit und anderen Lebensinhalten gleichwertig sind. Das zu verinnerlichen, zu ermöglichen und zu finanzieren, wird eine der größten Herausforderungen für Staaten und Gesellschaften werden. Umso wichtiger, dass Konzepte wie die negative Einkommenssteuer oder ein universelles Grundeinkommen breiter diskutiert werden. Von Letzterem sprechen auch einige Chefs führender KI-Unternehmen: Würden die Gewinne gerecht verteilt, könne die Welt von ungeahntem Wohlstand profitieren.

Brave New Work im Arbeitsalltag

Die Vision einer post-arbeitszentrierten Welt kann überwältigend sein und tausend Fragen aufwerfen. Genau darum geht es in unserem Trend Brave New Work: Sich Fragen stellen, auf die es mehr als eine richtige Antwort geben kann. Sich dem Nichtwissen neugierig stellen und waghalsige Konzepte auf kleine Ideen herunterbrechen. Solche, die inspirieren und zum Handeln bewegen, weil sie sinnvoll und machbar erscheinen.

In unserer Agentur machen wir uns seit bald fünfzehn Jahren für ein Arbeitsumfeld stark, das allen zugutekommt – Menschen, Unternehmen und Umwelt. Unser Führungsduo arbeitet von Anfang an selbst in Teilzeit, wir fördern flexible Arbeitsmodelle und investieren überdurchschnittlich viel in die Gesundheit und Wohlbefinden des Teams: unter anderem mit unserem Blau-mach-Tag, der uns jeden Monat einen zusätzlichen freien Tag schenkt.

Wir sind uns sicher: Gerade weil derzeit viel über Effizienz und Leistung gesprochen wird, werden New-Work-Themen wichtig bleiben. Gesundheit ist die Grundvoraussetzung, um überhaupt Kraft und Energie für andere Themen zu haben. Und gute Arbeitsbedingungen sind ein wichtiger Nährboden, um Veränderungen neugierig und zuversichtlich zu begegnen.

 

Unser aller Auftrag: Zuhören, verstehen und mitreden

Arbeit ist ein Mittel für vielfältige Zwecke: Geld verdienen, Gutes tun, sich entfalten, entwickeln, sozialisieren. Diesen Wert müssen wir verstehen und anerkennen, wenn wir uns auf die Zukunft vorbereiten. Es geht schließlich nicht darum, das Arbeiten selbst abzuschaffen, sondern das gegenwärtige Konzept zu hinterfragen.

Wie sich unser Leben und Arbeiten verändern wird, lässt sich nicht vorhersagen. Doch wir können heute etwas tun: Für unsere Lebensrealitäten und Wünsche einstehen, miteinander reden, uns sichtbar machen. Anderen zuhören. Auch denen, die andere Ansichten und Ängste haben.

Wir müssen kein Idealbild zeichnen. Es reicht, eine verbesserte Realität zu skizzieren. In der nie alles perfekt sein wird, aber die wir so gut wie möglich gemeinsam gestalten.

 

Über die Autorin Nina Heger:

Porträt der Autorin Nina HegerNach ihrem Bachelor in Buchwissenschaft und Germanistik war Nina jahrelang im Corporate Publishing tätig, bevor sie bei Adel & Link Wurzeln schlug. Als Senior Texterin beschäftigt sie sich heute mit den unterschiedlichsten Themen, Trends und Textsorten. Hier eine Case Study für Tech-Kunden, da ein Ratgeber für Inneneinrichtung oder ein Blogpost zu New Work: genau die richtige Mischung für die wortverliebte Copywriterin.

 

 

Header: Adel & Link HIVE Studios

Fotos: Marvin Fuchs (Nina Heger), unsplash (siora photography)