12 Mar Data Diet: Gemeinsam gegen Datenmüll
Uralte Designs, final-finale Textversionen, hunderte KI-Gespräche, tausende Fotos: Datenmüll ist überall. Mit unserem Trend Data Diet wollen wir zu einem bewussteren Umgang anregen. Und wir fangen gern bei uns selbst an!
In vielen Kellern, Kisten und Garagen schlummern stapelweise Papiere: Kinderzeichnungen, Steuerbescheide, Fotos, Schulungsunterlagen. Ab und zu schauen wir die Sachen durch, misten aus und sortieren mit Bedacht neue ein. Schließlich heben wir längst nicht alle Zeitschriften, Unterlagen, Informationsbroschüren und Werbebriefe auf, die uns in die Hände fallen.
Warum also machen wir es digital oft anders? Was auf Servern und in Clouds landet, bleibt oft einfach dort. Selbst wenn wir es nicht brauchen.
Digitale Speicher werden immer voller
Allein in Cloud-Speichern tummeln sich weltweit schätzungsweise etwa 100 Zettabyte an Dateien. Das sind 100 Billionen Gigabyte. Oder anders ausgedrückt: Jeder Mensch auf der Erde könnte damit rund drei Millionen Fotos mit je vier Megabyte speichern.
In Deutschland nutzten 2025 bereits zwei Drittel der Menschen (66 %) Clouds, um private Daten zu sichern. Im Arbeitskontext sind sie noch populärer: Laut Bitkom setzten im vergangenen Jahr bereits neun von zehn Unternehmen (90 %) auf cloudbasierte Speicher. Kein Wunder: Sie sind bequem, kostengünstig, sicher und unkompliziert. Und irgendwo müssen wir Daten schließlich speichern. Aber müssen wir auch alle behalten?
Je mehr Daten, desto mehr Datenmüll
Gerade im Unternehmenskontext summieren sich Datenmengen extrem schnell. Trotz asynchroner Zusammenarbeit über Cloud-Services wandern täglich Dateien hin und her; wöchentlich flattern Newsletter ins Postfach, die wir auf unbestimmte Zeit aufheben und doch nie lesen. Laut einer Studie aus 2025 gilt mehr als die Hälfte (55 %) aller Unternehmensdaten als Dark Data.
Gemeint sind Dateien, die ungenutzt herumliegen: veraltete Informationen, riesige Tabellen, E-Mails, Meetingaufzeichnungen und Notizen. Dark Data kann redundant, überflüssig oder trivial sein, aber auch wertvolle Unternehmensdaten betreffen, die sich in unstrukturierten Ordnern verstecken.
Die Krux: Mit der exzessiven Datenspeicherung wollen wir auf Nummer sicher gehen – schließlich könnte die Dateien irgendwann (noch) einmal jemand brauchen. Doch jede noch so wichtige Information bleibt wertlos, wenn sie in einem Meer von Unternehmensdaten untergeht. Davon profitieren höchstens Cloud-Anbieter, die mehr Speicherplatz als nötig verkaufen, und Cyberkriminelle, die bei einem erfolgreichen Angriff an sensible Daten gelangen, von denen kaum jemand im Unternehmen weiß.
Digital Cleanup: Bewusster mit Daten umgehen
Solange wir den Datenmüll nicht sehen, lässt er sich leicht ignorieren. Aber damit ist jetzt Schluss! Anlässlich des Digital Cleanup Day am 21. März trifft sich unser Team zu einem Digital Cleanup Breakfast im Office und räumt gemeinsam die Cloud auf. Damit wollen wir unser Bewusstsein für unnötiges Datenspeichern schärfen. Denn mehr ist nicht immer besser, sondern sorgt auch für mehr Energieverbrauch und weniger Durchblick.
Und was ist mit KI?
Zum Problem des Datenmülls kommt seit einiger Zeit ein weiteres hinzu: Durch KI steigert sich der digitale Ressourcenhunger in rasantem Tempo. Allein ChatGPT nutzten im Herbst 2025 weltweit rund 800 Millionen Menschen wöchentlich. Aus vielen Gesprächen entsteht zweifellos Nützliches, aber auch eine Menge Datenmüll. Und nicht nur das.
Für Training und Nutzung von KI-Systemen braucht es eine Menge Wasser und Energie. Wie hoch der Verbrauch tatsächlich ist, lässt sich nicht eindeutig bemessen – vor allem, weil die großen KI-Player nicht alle relevanten Daten veröffentlichen. Umso erschreckender sind die Berechnungen und Vergleiche, die Forscher de Vries-Gao in einer vielbeachteten Studie anstellt: KI-Systeme können aktuell jährlich so viel Kohlendioxid emittieren wie New York City – und so viel Wasser benötigen, wie alle Menschen jedes Jahr in Flaschen trinken.
Als besonders problematisch gelten der enorme Strombedarf und die wasserbetriebene Kühlung der Rechenzentren: Schätzungen zufolge benötigt ein Rechenzentrum pro Kilowattstunde Energie zwei Liter Wasser zur Kühlung. Die Internationale Energieagentur IEA geht davon aus, dass sich ihr Stromverbrauch bis 2030 weltweit auf rund 945 TWh verdoppeln wird. Damit würde der Anteil von Rechenzentren an der globalen Stromerzeugung zwar nur drei Prozent betragen. Im Schnitt soll der Stromverbrauch jedoch um rund 15 Prozent pro Jahr steigen – mehr als viermal so schnell wie der Gesamtstromverbrauch aller anderen Sektoren.
Data Diet: Großes fordern und Kleines beitragen
Generative KI steht noch ganz am Anfang. Sie wird zunehmend personalisierter, präsenter und leistungsfähiger. Das macht es wahrscheinlich, dass der KI-Fußabdruck von morgen nie wieder so klein sein wird wie heute. Auch deshalb muss der Innovationsdruck für zukunftsweisende Konzepte wie regionale Energiezentren oder Abwärmerückgewinnung steigen. Es wird darum gehen, den ökologischen Fußabdruck entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu reduzieren.
Auch wir Nutzenden sollten uns fragen, wie wir KI-Gespräche und Datennutzung effizienter und ressourcenschonender gestalten können. Mit dem digitalen Frühjahrsputz können wir ein erstes Zeichen setzen und kräftig ausmisten. Damit wollen wir zeigen, dass selbst kleinste Veränderungen wichtig sind – und dass sie gemeinsam am besten gelingen.
Über die Autorin Nina Heger:
Nach ihrem Bachelor in Buchwissenschaft und Germanistik war Nina jahrelang im Corporate Publishing tätig, bevor sie bei Adel & Link Wurzeln schlug. Als Senior Texterin beschäftigt sie sich heute mit den unterschiedlichsten Themen, Trends und Textsorten. Hier eine Case Study für Tech-Kunden, da ein Ratgeber für Inneneinrichtung oder ein Blogpost zu New Work: genau die richtige Mischung für die wortverliebte Copywriterin.
Header, Digital Clean-up-Poster: Adel & Link HIVE Studios
Foto: unsplash (ujesh krishnan)