29 Apr Frauen in der PR: Gemeinsam mehr bewegen
Ein Gespräch mit Maren Schneider und Olivia Dudek über Frauen in Führungspositionen, ihre Erfahrungen mit dem GWPR-Netzwerk und ihre Tipps, wie Netzwerken gelingt.
Frauen dominieren die PR-Branche – zumindest zahlenmäßig. Doch sobald es um Führungspositionen geht, sind wir vom Gender Switch noch weit entfernt. Die Zahlen einer Studie des Chartered Institute of Public Relations (CIPR) 2025) belegen: In der britischen PR-Branche sind zwei Drittel (66 %) der Beschäftigten unterhalb der Director-Ebene weiblich – doch in Führungspositionen stellen Männer noch immer die Mehrheit (54 %). Auch in Deutschland befragte Kommunikatorinnen gaben an, dass 67 Prozent der Führungspositionen in ihrem Unternehmen hauptsächlich mit Männern besetzt sind (GWPR Annual Index 2025). Branchenübergreifend liegt der Anteil weiblicher Führungskräfte in Deutschland bei gerade einmal 21 Prozent (Statistisches Bundesamt 2025) – seit zehn Jahren kaum verändert und weit unter dem EU-Durchschnitt.

Interviewerin Linda Benkner (Mitte) im Gespräch mit den Kolleginnen Maren Schneider (links) und Olivia Dudek (rechts).
Was also tun? Maren Schneider und Olivia Dudek, beide Senior-Beraterinnen bei Adel & Link, haben für sich eine Antwort gefunden: das Netzwerk Global Women in PR (GWPR), dem sie letztes Jahr beigetreten sind. Im Interview erzählen sie, inwiefern sie von der Mitgliedschaft profitieren, wie sie mit Networking-Nervosität umgehen und wie weibliche PR-Führungskräfte gezielt gefördert werden können.
PR-Frauen sind in der Überzahl – aber nicht in Führungspositionen. Wie ist eure Wahrnehmung?
Olivia: Das ist interessant, denn mein Bauchgefühl sagt etwas anderes. In meiner PR-Karriere habe ich viele weibliche Führungskräfte kennengelernt. Bei Adel & Link sind die Director-Positionen durchweg von Frauen besetzt und die Agenturführung ist zwischen Matthias Adel und Natalie Link aufgeteilt. Zudem haben viele Frauen in meinem Umfeld leitende Positionen in der PR inne. Aber ich bin mir bewusst, dass die Statistik etwas anderes sagt, wenn ich mich außerhalb meiner eigenen Bubble umschaue. Hier gibt es also noch viel zu tun.
Maren: Meine Wahrnehmung ist ähnlich und das liegt auch an meinem Fokus. Beim Kommunikationskongress etwa habe ich bewusst auch Vorträge erfolgreicher weiblicher Speakerinnen ausgesucht – mich interessiert, wie Frauen in ihren Rollen agieren. Ich habe aber auch – um das Thema Part-time Leadership als Beispiel herauszugreifen – bei ehemaligen Kolleginnen mitbekommen, dass Teilzeitführung mit Kind große Herausforderungen und Kritik mit sich bringen kann. Bei Natalie und Matthias habe ich dann gesehen, dass Familie und Leitungspositionen durchaus vereinbar sind! Seit Gründung der Agentur gehört das Thema Führung in Teilzeit zur DNA von Adel & Link.
Teilzeitführung bietet Frauen Karrierechancen trotz Mutterschaft oder Pflegefällen in der Familie. Was sind aus eurer Sicht Hindernisse für Frauen auf dem Weg in Führungspositionen?
Olivia: Da spielen die Rahmenbedingungen eine große Rolle. Wenn das Team nicht gut aufgestellt ist, sind fehlende Kapazitäten bei der Führungskraft kein individuelles Versagen, sondern ein strukturelles Problem. Die Lösung: Mehr Positionen mit Verantwortung unterhalb der Geschäftsführung schaffen – mit Menschen, die die Führungskraft zuverlässig vertreten können. Das entlastet die Spitze und ermöglicht es, Führungsverantwortung zu verteilen.
Maren: Da stimme ich zu, die Organisation ist der Schlüssel. In Agenturen, die gut strukturiert sind und in denen Wissen geteilt wird, funktionieren auch Teilzeitmodelle. Alle profitieren davon, denn wer die Talente von Frauen nicht fördert, bremst sich selbst aus!
Ihr seid beide Mitglied bei Global Women in PR (GWPR). Warum gerade dieses Netzwerk?
Olivia: Bei GWPR passiert wirklich viel. Es finden regelmäßig Events statt und es treffen sich zwischendurch auch kleinere Gruppen zum Afterwork oder Lunch.
Maren: Es geht immer um konkrete Facetten der PR, um echten Wissensaustausch. Bei GWPR rede ich mit Frauen aus verschiedensten Rollen – in Agenturen, Unternehmen, als Coaches oder Pressesprecherinnen. Das öffnet den Blick enorm.
Olivia: Und das Netzwerk ist auch global aufgestellt – wir können uns mit Mitgliedern weltweit vernetzen und Einblicke in andere Märkte bekommen. Durch die vielen Events und den persönlichen Austausch können so mit der Zeit auch echte Freundschaften und Business-Partnerschaften entstehen.
Maren: Das Mentoring ist ein weiteres Highlight: Dabei wirst du mit jemandem aus einer anderen Branche oder Position zusammengebracht. Ich profitiere sehr von dem externen Feedback aus einer ganz anderen und sehr erfahrenen Perspektive.
Networking klingt einfach – aber viele fühlen sich unwohl dabei. Wie geht ihr mit Nervosität um?
Olivia: Wenn ich niemanden im Raum kenne, fühle ich mich oft etwas verloren – obwohl ich eigentlich ein offener Mensch bin. Was mir hilft: zunächst kleinere Gruppenevents besuchen, Afterwork-Treffen im engeren Kreis ansteuern. Beim großen Jahrestreffen kennst du dann schon einige Gesichter. Und mein Geheimtipp: Schau dich um, wer ebenfalls abseits steht – und sich über ein Gespräch freut.
Maren: Sich überwinden hilft wirklich. Es gibt immer ein Thema, über das du sprechen kannst. Und: Die erfahrenen Mitglieder – auch die in sehr hohen Positionen – sind meist sehr offen und investieren viel Zeit in dieses Netzwerk. Viele wollen gerade jüngere Frauen gezielt fördern.
Über Global Women in PR (GWPR)
GWPR wurde 2015 als gemeinnütziger Verein in Großbritannien gegründet und ist heute ein globales Netzwerk für Frauen in der Kommunikationsbranche. Voraussetzung für eine Mitgliedschaft sind mindestens fünf Jahre Berufserfahrung im PR-Umfeld.
Am 23. April 2026 war Adel & Link Gastgeber eines GWPR-Afterwork-Events zum Thema Data Storytelling in den Agenturräumen in Frankfurt-Bockenheim. Den Abend gestalteten Data-Storytelling-Expertin Friederike Oehlerking mit einem Impulsvortrag, Maren Schneider und Joana Iser da Silva von Adel & Link mit Einblicken in einen Best-Practice Case sowie Thorsten Thierhoff, Geschäftsführer des Meinungsforschungsinstituts forsa GmbH, und Natalie Link, Geschäftsführerin von Adel & Link und langjähriges GWPR-Mitglied, mit einem Panel-Talk.

Über die Autorin Linda Benkner:
Linda hat während ihres Germanistik- und Geschichtsstudiums in Bonn im Journalismus (Frankfurter Allgemeine Zeitung) und Lektorat (Suhrkamp Verlag) gearbeitet. Um auch die Agenturseite kennenzulernen, absolvierte sie ein PR- Volontariat in Darmstadt – und fand ihre berufliche Bestimmung im Copywriting und Creative Content. Seit 2016 setzt sie ihre Expertise bei Adel & Link ein – ob als PR-Trainerin oder bei kreativen Storytelling-Projekten.
Header: Adel & Link HIVE Studios
Fotos: Florian Hennig (Interviewsituation), Adel & Link (Linda Benkner, Vortragssituation)