Rente mit TikTok? Was wir von Finfluencer:innen lernen können

Finfluencer:innen sind das, was früher die Beratenden in der Hausbank waren – nur in der trendigen Version. In kurzen Clips und knackigen Beiträgen teilen sie bei TikTok, YouTube oder Instagram Content rund ums Thema Finanzen. Das erleichtert vor allem jungen Menschen den Zugang zu einer komplexen Welt, die sich immer schneller verändert. Je populärer der Trend, desto lauter werden die kritischen Stimmen: Schließlich tummeln sich unter den Accounts mit Mehrwert auch einige selbst ernannte Expert:innen, die zweifelhafte Produkte bewerben. Stellt sich die Frage: Wem können wir trauen? Denn mit den richtigen Finfluencer:innen an ihrer Seite finden selbst Neulinge einen Weg durch den Finanzdschungel.

Sie vermitteln Finanzwissen, geben Tipps zum besseren Umgang mit Geld und scheuen nicht vor vermeintlich drögen Themen wie der Altersvorsorge zurück: Finfluencer:innen bringen komplexe Sachverhalte verständlich auf den Punkt und fassen wichtige Facts „snackable“ zusammen. Die Social-Media-Profis verpacken die Inhalte so ansprechend und kurzweilig, dass auch jüngere Zielgruppen hellhörig werden und in rasantem Tempo Kanäle abonnieren und deren Popularität pushen. So rücken selbst abstrakte Themen wie Aktienhandel, ETFs und Kryptowährungen in den Fokus der Gen Y und Z. Gleichzeitig richten sich einige Finfluencerinnen gezielt an Frauen – damit Aussagen wie „Das mit dem Geld macht mein Mann“ endgültig der Vergangenheit angehören können.

Bei vielen Accounts geht es um weit mehr als alltagstaugliche Tipps rund um Sparen, Kontoführung, Vorsorge und Versicherungen. Wer finfluenct, ermöglicht den Zuschauenden einen niedrigschwelligen Einstieg in die komplexe Finanzwelt. Selbst Nischenthemen aus der Kategorie „Lebensträume“ werden nicht mehr als unerreichbar, sondern machbar dargestellt: Mit 40 in Rente gehen, von Dividenden leben und finanziell frei sein oder erfolgreich das eigene Business gründen, scheint plötzlich verlockend einfach. Deshalb wird zunehmend Kritik laut, die zu mehr Vorsicht im Umgang mit Finfluencer:innen mahnt – denn im Zweifel ist es vor allem deren Business, das durch erfolgreiches Finfluencen boomt.

Augen auf beim Aktienkauf

Früher bei der Bank, heute im Internet: Wenn wir uns selbst nicht auskennen, suchen wir uns Hilfe bei Expert:innen. An sich eine gute Sache, doch der Teufel liegt im Detail. Ziel sollte nicht sein, dass andere für uns entscheiden, sondern dass wir von anderen lernen, wie wir selbst fundierte finanzielle Entscheidungen treffen. Doch je größer die Nachfrage und das Interesse der Follower, desto mehr unseriöse Angebote erscheinen auf der Social-Media-Bildfläche. Bevor wir uns finfluencen lassen, sollten wir die Inhalte also genau prüfen: Wer steckt dahinter (Impressum)? Welchen fachlichen Hintergrund hat die Person? Was ist das Ziel des Kanals? Werden konkrete Kaufempfehlungen für einzelne Produkte gegeben oder sehr schnell auf geschlossene Gruppen „für exklusive Geheimtipps“ verwiesen, ist zunächst Skepsis angesagt. Denn gute, seriöse Finfluencer:innen sollten für Empowerment stehen – also mit ihren Inhalten die Zuschauenden ermächtigen, sich selbst um ihre Finanzen zu kümmern. Deshalb sind Aktientipps, Anbieter-Empfehlungen und Co. mit Vorsicht zu genießen. Schließlich handelt es sich oftmals um bezahlte Werbepartnerschaften, die nicht immer eingehend und objektiv geprüft werden.

Finanzen sind für alle da

Egal ob Goldkauf, Digital Payment oder ETF-Portfolio – zu jedem Thema gibt es Reels, Shorts und TikToks. Bleibt nur die Frage: Bei wem lohnt sich das Zuschauen nicht nur wegen der Optik, sondern aufgrund des Inhalts? Drei Empfehlungen aus drei Richtungen – denn alle dürfen selbst entscheiden, bei welchen Themen sie gern einsteigen möchten.

Expertin für Female Finance: Jenny Dressel

Die Finanzcoachin kommt eigentlich aus dem Marketing und hat sich ihr Finanzwissen durch intensive Fortbildung selbst beigebracht. Inzwischen ist sie mit ihrem Blog, Social-Media-Kanälen sowie Mentoring- und Coaching-Angeboten sehr erfolgreich. Ihre Vision: Frauen helfen, damit diese nicht in die Altersarmut rutschen. Thank you for that!

TikToker für die Gen Z: Simon Schäble

Er zählt zu den erfolgreichsten Finfluencer:innen und zählt auf TikTok rund 240.000 Follower. Mit Humor und Hintergrundwissen verpackt der Master-Student anspruchsvolle Themen von der Steuererklärung über ETF-Portfolios bis zu Kryptowährungen – und macht sie so besonders Teenies und Twentysomethings schmackhaft.

Moneycoach für Jung und Alt: Bodo Schäfer

Finanzielle Unabhängigkeit erreichen zu wollen, ist nicht per se schlecht – da sollte jede:r für sich prüfen, was er vom erfolgreichen und gleichzeitig kontrovers diskutierten Moneycoach Bodo Schäfer mitnehmen möchte. Kritische Stimmen werfen ihm Geldgier vor und zweifeln an seinen persönlichen Erfolgen, doch seine Fans feiern ihn für seine Tipps und Ansichten, die er seit vielen Jahren in Büchern, kostenlosen Videos sowie preisintensiven Kursen teilt.

Unser Tipp:

Bei finanztip.de bist du garantiert auf der sicheren Seite – das Portal der Finanztip Stiftung bietet unabhängiges und werbefreies Wissen rund um Altersvorsorge, Geldanlage, Versicherungen und Klimakrise. Einen leichten Einstieg ermöglicht Saidi Sulilatu, der sowohl dem Finanztip-Podcast „Geld ganz einfach“ als auch den hauseigenen YouTube-Videos Gesicht und Stimme verleiht.

 

Text: Nina Heger
Fotos: Ivan Samkov via Pexels // Rrodnae Productions via Pexels